Hannover, 09.10.2026 (lifePR) – Am 10. Oktober ist Welttag der seelischen Gesundheit. Er lenkt den Blick auf psychische Erkrankungen und darauf, wie wichtig Unterstützung, Behandlung und gesellschaftliche Teilhabe sind. Bei Menschen mit MS können neben körperlichen Beschwerden auch Depressionen und Ängste zum Krankheitsbild gehören. Zudem können die Belastungen durch eine chronische Erkrankung die seelische Gesundheit beeinflussen. 

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) zählt depressive Verstimmungen und Depressionen zu den möglichen, häufig unsichtbaren Symptomen der MS. Sie können im Zusammenhang mit den Belastungen durch die Erkrankung entstehen, aber auch durch krankheitsbedingte Veränderungen im Gehirn begünstigt werden. Eine frühzeitige Wahrnehmung solcher Beschwerden ist deshalb ein wichtiger Bestandteil einer umfassenden Versorgung und kann die Lebensqualität maßgeblich verbessern. 

Depressionen bei MS häufiger 

Wie häufig Depressionen bei Menschen mit MS auftreten, zeigt unter anderem eine Auswertung des MS-Registers der DMSG. Im Berichtsjahr 2024 war bei 22,6 Prozent der erfassten Menschen mit MS eine Depression dokumentiert. Dabei lehnten von den dokumentierten Personen 0,7 Prozent eine Behandlung ab, 20,5 Prozent erhielten keine Behandlung, 14,4 Prozent wurden nicht-medikamentös behandelt, 54,3 Prozent medikamentös und 10 Prozent erhielten eine kombinierte Behandlung.1 

Nicht immer lassen sich psychische Beschwerden bei MS eindeutig von anderen Symptomen unterscheiden. Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen oder sozialer Rückzug müssen nicht zwangsläufig mit Depressionen zusammenhängen. Veränderungen sollten deshalb aufmerksam wahrgenommen und bei Bedarf ärztlich abgesprochen werden.

Fatigue ist nicht gleich Depression 

Eine besondere Herausforderung besteht darin, psychische Beschwerden von anderen MS-Symptomen abzugrenzen. Das gilt insbesondere für die Fatigue. Die ausgeprägte Erschöpfbarkeit ist eines der häufigsten Symptome der MS und kann sich sowohl auf die körperliche als auch auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirken. Eine Depression kann ebenfalls mit Antriebsmangel und Erschöpfung einhergehen. Dennoch handelt es sich um unterschiedliche Krankheitsbilder, die entsprechend unterschiedlich behandelt werden müssen. 

Auch deshalb sollten Veränderungen des eigenen Befindens mit den behandelnden Ärzten besprochen werden. Eine Depression ist mehr als eine vorübergehende schlechte Stimmung. Anhaltende Niedergeschlagenheit, Verlust von Interessen, sowie Antriebslosigkeit können Hinweise sein. Auch Veränderungen von Schlaf, Konzentration oder Appetit können auftreten. Bei Menschen mit MS ist es deshalb wichtig, solche Beschwerden nicht automatisch als Teil der MS zu betrachten, sondern sie auch unabhängig davon ernst zu nehmen und anzusprechen. 

Psychische Gesundheit mitbehandeln 

Für Depressionen und Ängste stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem Psychotherapie und Medikamente. Auch Bewegung kann bei MS einen wichtigen Beitrag zum körperlichen und seelischen Wohlbefinden leisten. Regelmäßige körperliche Aktivität kann unter anderem Fatigue reduzieren und sich positiv auf die Stimmung auswirken. Dabei sollte die Bewegung an die individuellen Möglichkeiten und Belastungsgrenzen angepasst werden. 

Dass die psychische Gesundheit bei MS mehr Aufmerksamkeit verdient, zeigt auch das aktuelle Angebot der DMSG-AKADEMIE. Im Frühjahr beschäftigte sich ein Talk+Work-Format mit Depressionen und Ängsten bei MS. Am 5. Oktober fand unter dem Titel „Mehr als Müdigkeit: Fatigue und Angst“ ein weiteres wichtiges Thema statt. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Unterschiede zwischen Fatigue und Angst sowie der Umgang mit psychischen Belastungen. 

Auch die DMSG-Landesverbände greifen den Welttag der seelischen Gesundheit mit verschiedenen Angeboten auf. Dabei geht es unter anderem um Themen wie Resilienz, den Umgang mit psychischen Belastungen sowie Akzeptanz und Bewältigungsstrategien im Umgang mit MS. Wer an einer Veranstaltung teilnehmen möchte, sollte die Website und die Social-Media-Kanäle des eigenen Landesverbandes im Blick behalten.2 

Seelische Gesundheit gehört zur MS-Versorgung 

Der Welttag der seelischen Gesundheit bietet auch Anlass, den Blick auf einen Bereich der MS zu richten, der nach außen oft unsichtbar bleibt. Ulf Blohm vom Bundesbeirat MS-Erkrankter betont: „Multiple Sklerose kann eine enorme seelische Belastung sein und psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen begünstigen oder triggern. Entscheidend ist, solche Beschwerden nicht als unvermeidliche Begleiterscheinung der MS hinzunehmen, sondern sie frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln. Denn seelische Gesundheit ist ein wesentlicher Teil der Lebensqualität – und psychische Beschwerden sind behandelbar.“ Seelische Beschwerden sind keine Schwäche und müssen nicht einfach hingenommen werden. Sie können erkannt, angesprochen und behandelt werden und gehören damit ebenso zur umfassenden Versorgung von Menschen mit MS wie die Behandlung körperlicher Symptome.

Redaktion:?DMSG-Bundesverband – 10.10.2026