Stuttgart, 22.10.2026 (lifePR) – Depressionen gehören zu den häufigen Begleiterscheinungen der Multiplen Sklerose (MS). Nach Daten des deutschen MS-Registers von 2023 sind 21,9 Prozent der erfassten MS-Erkrankten in Baden-Württemberg betroffen. Dabei ist eine Depression nicht zwangsläufig allein eine psychische Reaktion auf die Diagnose und den Folgen der chronischen Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Auch krankheitsbedingte Vorgänge im Gehirn können zur Entstehung depressiver Symptome beitragen. Anhaltende Veränderungen der Stimmung und des Antriebs sollten deshalb ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden, betont AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg, e.V.
Depression hat unterschiedliche Ursachen
Bei Menschen mit Multipler Sklerose liegt das Risiko, im Laufe des Lebens an einer schweren Depression zu erkranken, bei bis zu 60 Prozent – das Dreifache im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Das erhöhte Depressionsrisiko kann verschiedene Gründe haben: Die Diagnose einer chronischen Erkrankung, Unsicherheit über den weiteren Verlauf, Schmerzen oder zunehmende Einschränkungen können die Psyche belasten. Auch eine ausgeprägte Fatigue – die für MS typische starke Erschöpfung – kann den Alltag und die Lebensqualität einschränken und die psychische Belastung verstärken. Bestimmte Medikamente können im Einzelfall auch eine Rolle spielen.
Eine Depression ist jedoch nicht allein als Reaktion auf diese Belastungen zu verstehen. MS kann Vorgänge und Bereiche im Gehirn betreffen, die für Stimmung und psychisches Wohlbefinden bedeutend sind. Die aktuelle MS-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie berücksichtigt verschiedene Ursachen und betont eine notwendige Abgrenzung von Depression, Fatigue und Anpassungsstörung.
Depression und Fatigue richtig einordnen
Fatigue gehört zu den häufigsten und zu den belastendsten Symptomen der MS. Sie bezeichnet eine ausgeprägte körperliche oder geistige Erschöpfung, die in keinem angemessenen Verhältnis zur vorherigen Belastung steht. Bei einer Depression stehen dagegen langfristige Niedergeschlagenheit, Interessenverlust oder verminderter Antrieb im Vordergrund.
Die Unterscheidung ist nicht immer einfach: Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und Schlafstörungen können bei beiden Beschwerdebildern auftreten. Zudem können Depression und Fatigue gleichzeitig bestehen und sich gegenseitig verstärken. Eine ärztliche Abklärung hilft, die Beschwerden einzuordnen und eine passende Behandlung zu finden.
Beschwerden ansprechen und behandeln
Wer über längere Zeit Veränderungen der Stimmung oder des Antriebs bemerkt, sollte diese in der hausärztlichen oder neurologischen Praxis ansprechen. Depressionen können gezielt und wirksam behandelt werden. Die Behandlung folgt bei Menschen mit MS grundsätzlich denselben Prinzipien wie bei Menschen ohne MS. Je nach individueller Situation kommen stützende Gespräche, Psycho- und Bewegungstherapie oder Medikamente in Frage. Beratungsstellen und Selbsthilfeangebote bieten zusätzliche Unterstützung im Umgang mit der Erkrankung. Informationen, Beratung und Austausch finden Menschen mit MS und ihre Angehörigen bei AMSEL unter www.amsel.de.
