München, 23.03.2026 (lifePR) – Der mit 5.000 € dotierte Forschungspreis der gemeinnützigen René Baumgart-Stiftung für wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der pulmonalen Hypertonie wurde in München verliehen.

Im Rahmen des 66. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. in München wurde der Preis an zwei Arbeiten verliehen. Zum einen an Dr. Fenja Knöpp, Justus Liebig University, Giessen und zum anderen an Herrn Dr. med. Athiththan Yogeswaran, University Hospital Giessen und Marburg GmbH

Insgesamt wurden acht hochqualifizierte Arbeiten eingereicht, die eine Entscheidung der dreiköpfigen Jury nicht leichtmachten. Die prämierten Arbeiten entsprechen den wichtigen Bewertungskriterien wie Originalität, Innovation und klinische Relevanz.

Priv.-Doz. Dr. med. Hans F. E. Klose vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Prof. Dr. Hanno H. Leuchte vom Krankenhaus Neuwittelsbach sprachen die Laudatio.

Beiträge der beiden Preisträger zu den preisgekrönten Arbeiten:

Preisträgerin Dr. Fenja Knöpp, Justus Liebig University, Giessen:

„Piezo1 in PASMCs: Critical for Hypoxia-Induced Pulmonary Hypertension Development“

Wenn Zellen Druck spüren: Mechanosensitiver Ionenkanal Piezo1 als neuer Schlüsselfaktor bei der Entstehung von Lungenhochdruck identifiziert

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Fenja Knoepp vom Excellence Cluster Cardio-Pulmonary Institute (CPI, Universität Giessen), Prof. Dr. Eric Honoré und Prof. Dr. Serge Adnot hat einen zentralen Mechanismus bei der Entstehung von Hypoxie-induziertem Lungenhochdruck (Pulmonaler Hypertonie, PH) entschlüsselt.

In der im renommierten Fachjournal Circulation Research (https://doi.org/…) veröffentlichten Studie zeigt sich, dass der in pulmonalen glatten Muskelzellen (PASMCs) vorkommende Ionenkanal Piezo1 – ein zellulärer Sensor für mechanische Reize in den Zellen – eine zentrale Rolle bei der Entstehung dieser derzeit unheilbaren und lebensbedrohlichen Lungenerkrankung spielt.

Hypoxie-induzierte Pulmonale Hypertonie ist eine schwerwiegende Erkrankung, bei der sich die Blutgefäße in der Lunge in Reaktion auf chronische und generalisierte Hypoxie zusammenziehen und durch krankhafte Umbauprozesse zusätzlich verengen. Dies führt zu einem erhöhten Blutdruck im Lungenkreislauf und einer daraus resultierenden Überlastung des rechten Herzens – was schließlich zum Tode führen kann. Die neue Studie zeigt, dass Piezo1 in den Muskelzellen der Lungengefäße bei betroffenen Patienten verstärkt vorhanden ist. Durch mechanische Reize – etwa durch veränderten Blutfluss – wird Piezo1 aktiviert und löst so Veränderungen in den Zellen aus, die das Gefäßsystem (weiter) schädigen.

Besonders bedeutend ist der Zusammenhang zwischen Piezo1 und der zellulären Seneszenz von Endothelzellen, der innersten Schicht von Blutgefäßen. Seneszente Zellen hören zwar auf, sich zu teilen, senden jedoch gleichzeitig entzündungsfördernde Signale aus, die umliegendes Gewebe schädigen und krankhafte Umbauprozesse in den Blutgefäßen fördern können. Die neue Studie legt nahe, dass Piezo1 diese Form der Zellalterung verstärken kann.

Durch das gezielte genetische Ausschalten von Piezo1 in PASMCs konnten die Wissenschaftler in Krankheitsmodellen der pulmonalen Hypertonie eine deutliche Reduktion der durch Sauerstoffmangel bedingten Gefäßverengung, der Umbauprozesse sowie der Zahl seneszenter Zellen beobachten. Dies führte zu einer spürbaren Verbesserung der Gefäßstruktur und schützte wirksam vor der Entstehung von Lungenhochdruck.

Insgesamt konnte das Forscherteam mit Piezo1 einen zentralen Treiber der Erkrankung identifizieren. Damit eröffnen sich neue, vielversprechende Ansätze für künftige Therapien: eine gezielte Blockade von Piezo1 in PASMCs könnte dazu beitragen, das Fortschreiten von Lungenhochdruck wirksam zu bremsen und die Lebensqualität betroffener Patientinnen und Patienten zu verbessern.

Preisträger Dr. med. Athiththan Yogeswaran, University Hospital Giessen und Marburg GmbH

„Hemodynamics and Phosphodiesterase-5 Inhibitor TreatmentAssociated with Survival in Pulmonary Hypertension in Interstitial Lung Disease“ A PVRI GoDeep Meta-Registry Analysis

„Hämodynamik und Therapie mit Phosphodiesterase-5 Inhibitoren bei Pulmonaler Hypertonie assoziiert mit interstitiellen Lungenerkrankungen – eine PVRI GoDeep Metaregisteranalyse“

Die pulmonale Hypertonie (PH) ist eine schwerwiegende Erkrankung der Lungengefäße, die insbesondere bei Patient:innen mit interstitiellen Lungenerkrankungen (ILD), wie der idiopathischen Lungenfibrose (IPF), auftritt und mit einer deutlich eingeschränkten Lebenserwartung verbunden ist. Trotz dieser ungünstigen Prognose existieren bislang nur sehr begrenzte evidenzbasierte Therapieoptionen. Ziel unserer Studie war es, Patient:innen mit PH im Rahmen einer interstitiellen Lungenerkrankung (ILD-PH) genauer zu charakterisieren und den Zusammenhang zwischen einer PH-spezifischen Therapie und dem Überleben zu untersuchen.Hierzu wurden Daten aus dem internationalen PVRI GoDeep Metaregister analysiert, dem weltweit größten Register für pulmonale Hypertonie. Aus über 34.000 Patient:innen konnten 940 Patient:innen mit neu diagnostizierter PH bei ILD identifiziert und untersucht werden. Ein zentraler prognostischer Faktor war der pulmonal-vaskuläre Widerstand (PVR). Patient:innen mit schwerer pulmonaler Hypertonie (PVR >5 Wood-Einheiten) hatten eine deutlich schlechtere Prognose als Patient:innen mit geringerer hämodynamischer Beeinträchtigung. Die Überlebensraten betrugen in dieser Hochrisikogruppe lediglich 29 % nach drei Jahren und 18 % nach fünf Jahren.Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist der potenzielle Nutzen einer Therapie mit Phosphodiesterase-5-Inhibitoren (PDE5-Inhibitoren), einer Medikamentengruppe, die bereits erfolgreich bei der pulmonal-arteriellen Hypertonie (Gruppe 1 PH) eingesetzt wird. Bei Patient:innen mit schwerer ILD-PH war die Behandlung mit PDE5-Inhibitoren konsistent mit einem signifikant verbesserten Überleben assoziiert. Dieser Zusammenhang zeigte sich unabhängig davon, ob die Patient:innen zusätzlich eine spezifische Therapie ihrer zugrunde liegenden Lungenerkrankung erhielten.Besonders hervorzuheben ist, dass eine Kombinationstherapie aus PDE5-Inhibitoren und inhalativen Prostazyklinen mit einem noch stärkeren Überlebensvorteil verbunden war als eine alleinige Therapie mit PDE5-Inhibitoren. Die Robustheit dieser Ergebnisse wurde durch umfangreiche statistische Analysen, Sensitivitätsanalysen sowie eine unabhängige externe Validierung im COMPERA-Register bestätigt.Diese Studie liefert zusammenfassend wichtige neue Erkenntnisse zur Risikostratifizierung und potenziellen Behandlung von Patient:innen mit pulmonaler Hypertonie bei interstitiellen Lungenerkrankungen. Sie zeigt, dass der pulmonal-vaskuläre Widerstand ein entscheidender prognostischer Marker ist und dass eine Therapie mit PDE5-Inhibitoren, insbesondere in Kombination mit inhalativen Prostazyklinen, mit einem verbesserten Überleben bei Patient:innen mit schwerer ILD-PH assoziiert ist. Die Ergebnisse bilden eine wichtige Grundlage für zukünftige randomisierte klinische Studien und könnten langfristig dazu beitragen, neue evidenzbasierte Therapieoptionen zu etablieren und die Prognose dieser schwer erkrankten Patientengruppe nachhaltig zu verbessern.       Pulmonal arterielle Hypertonie (Lungenhochdruck) 

Lungenhochdruck, medizinisch auch pulmonal arterielle Hypertonie (PAH), ist eine seltene, schwerwiegende Erkrankung, die durch eine starke Verengung der Lun­gengefäße gekennzeichnet ist.

Die Betroffenen leiden bereits bei geringster Belastung oder sogar in Ruhe unter Atemnot, blauen Lippen, Beinödemen, Brustschmerzen, und klagen allgemein über schnelle Erschöpfung und Ermüdung.

Die richtige Diagnose wird zumeist erst gestellt, wenn es durch die fortschreitende Druck- und Volumenbelastung des rechten Herzens zu dessen chronischem Versagen kommt. Diagnose: Bluthochdruck im Lungenkreislauf. Dieses Krankheitsbild tritt isoliert oder als Begleiterkrankung verschiedener Herz- und Lungenerkrankungen auf. Obgleich die pulmonale Hypertonie (PH) noch nicht geheilt werden kann, konnten in den letzten Jahren doch große Fortschritte in der Diagnostik und Therapie dieser Krankheit erzielt werden.

Die René Baumgart-Stiftung

Die René Baumgart-Stiftung wurde im Jahr 2001 vom gemeinnützigen Selbsthilfeverein pulmonale hypertonie e.v. gegründet und mit einen Kapitalstock von 70000 € ausgestattet. Seit 2004 wird jährlich ein Forschungspreis ausgelobt. Die René Baumgart-Stiftung fördert die klinische Forschung zur pulmonalen Hypertonie bei Kin­dern und Erwachsenen. Ziel ist es, durch Ursachenforschung neue Er­kenntnisse über den Lungenhochdruck zu gewinnen, so dass eine früh­zeitige Diagnose gestellt und mittel- und langfristig neue Therapieoptio­nen entwickelt werden können, die PH-Patienten nicht nur eine Stabili­sierung oder Linderung der Beschwerden ver­sprechen, sondern eine vollständige Heilung.

Der Namensgeber der Stiftung, René Baumgart, wurde 1971 in Aalen ge­boren. Als René 10 Jahre alt war, starb seine Mutter an Idiopathischer Pul­monal Arterieller Hypertonie (IPAH). René Baumgart erhielt seine Dia­gnose IPAH im Alter von 19 Jahren. Er erlernte den Beruf des Druckers und meldete sich nach bestandener Gesellenprüfung zur Meisterprüfung an. Kurz vor seinem Abschluss verstarb er im Alter von 23 Jahren an der tückischen Krankheit.

Eine Information der René Baumgart-Stiftung

 

Rheinstetten, 14.04.2025 (lifePR) – Der mit 5.000 € dotierte Forschungspreis der gemeinnützigen René Baumgart-Stiftung für wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der pulmonalen Hypertonie wurde in Leipzig verliehen.

Im Rahmen des 65. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. in Leipzig wurde der Preis an zwei Arbeiten verliehen. Zum einen an Memoona Shaukat, MSc, Thoraxklilnik an der Universitätsklinik Heidelberg und zum anderen an Herrn Dr. rer. nat. Alexander Seidinger, Ruhr-Universität Bochum.

Insgesamt wurden sechs hochqualifizierte Arbeiten eingereicht, die eine Entscheidung der dreiköpfigen Jury nicht leichtmachten. Die prämierten Arbeiten entsprechen den wichtigen Bewertungskriterien wie Originalität, Innovation und klinische Relevanz.

Priv.-Doz. Dr. med. Hans F. E. Klose vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sprach die Laudatio.

Beiträge der beiden Preisträger zu den preisgekrönten Arbeiten:

Preisträger Dr. rer. nat. Alexander Seidinger, Ruhr-Universität Bochum:

“Pharmacological Gq inhibition induces strong pulmonary vasorelaxation and reverses pulmonary hypertension (Pharmakologische Gq-Inhibition induziert eine starke pulmonale Vasorelaxation und revertiert eine pulmonale Hypertonie)“

Pulmonale Hypertonie

Die pulmonale Hypertonie (PH, Lungenhochdruck) ist eine schwerwiegende Erkrankung des Gefäßsystems in der Lunge. Hierbei kann ein erhöhter Blutdruck in der Lunge zu einer starken Belastung des rechten Herzens (Hypertrophie) und langfristig zu einem Rechtsherzversagen und frühzeitigem Tod der Patienten führen. Die zugrundeliegende Verengung der Gefäße entsteht dabei vor allem durch eine exzessive Gefäßkonstriktion sowie durch eine Verdickung der Gefäßwand (Remodeling). Dabei spielen verschiedene Vasokonstriktoren, wie Serotonin, Thromboxan und Endothelin eine entscheidende Rolle. Die aktuellen medikamentösen Therapien modulieren einzelne Signalwege, so dass regelmäßig mehrere Medikamente kombiniert werden müssen. Interessanterweise wirken alle genannten krankheitsrelevanten Vasokonstriktoren intrazellulär über Gq-Proteine. Daher war unsere Hypothese, dass die Inhibition dieser zentralen Gq-Proteine einen besonders starken Effekt auf die pathologischen Merkmale der pulmonalen Hypertonie hervorrufen kann.

Um dies zu überprüfen, haben wir den pharmakologischen pan-Gq-Inhibitor FR900359 (FR), der aus den Blättern der Pflanze Ardisia crenata gewonnen werden kann, verwendet. Zunächst analysierten wir den Tonus-reduzierenden Effekt von FR in Pulmonalarterien der Maus im Drahtmyographen. Dabei bewirkte FR eine vollständige Inhibition der Gq-abhängigen Kontraktionen und induzierte umgekehrt auch eine starke Vasorelaxation nach Stimulation mit Gq-abhängigen Vasokonstriktoren. Zudem erzielte FR einen signifikant stärkeren vasorelaxierenden Effekt als die derzeitigen PH-Standard-Medikamente Bosentan, Iloprost oder Sildenafil. Auch die besonders bedeutsamen kleinen Widerstandsgefäße wurden durch FR in funktionellen Lungenschnitten sowie im Mausmodell der isoliert-perfundierten Lunge nahezu vollständig relaxiert. Der vasorelaxierende Effekt von FR konnte ebenfalls in Geweben aus Schweinen und auch in menschlichem Gewebe ex vivo demonstriert werden. Daneben konnten wir zeigen, dass FR auch in das Remodeling der Gefäßmuskelzellen eingreifen kann. In isolierten murinen pulmonal-arteriellen Muskelzellen (mPASMCs) führte die Gq-Inhibition mittels FR zu einer starken Wachstumshemmung. Abschließend konnten wir im Mausmodell der Hypoxie-induzierten pulmonalen Hypertonie zeigen, dass die wiederholte FR-Gabe sowohl in einem präventiven als auch in einem therapeutischen Ansatz eine Reduktion aller typischen Merkmale der PH, nämlich des rechtsventrikulären systolischen Drucks, der pulmonalen Gefäßwanddicke und auch der Hypertrophie des rechten Ventrikels bewirkte.

Durch die duale Wirkung von FR auf den pulmonalen Gefäßtonus und das Wachstum von mPASMCs offenbart unsere Studie das große Potential einer pharmakologischen Gq-Inhibition für die Behandlung der PH.

Preisträgerin Memoona Shaukat, MSc, Thoraxklilnik an der Universitätsklinik Heidelberg:

„Heritable pulmonary arterial hypertension – new genetic findings and environmental triggers“

Bei der hereditären pulmonal-arteriellen Hypertonie (HPAH) gibt es weiterhin Familien mit mehreren betroffenen Mitgliedern, bei denen keine krankheitsverursachende, genetische Variante in einem der bekannten PAH-Gene gefunden werden kann. Das Ziel dieser Studie war es daher, neue genetische oder umweltbedingte Ursachen bei HPAH-Familien zu identifizieren. Dafür verfolgten wir einen ganzheitlichen Ansatz, indem wir zunächst mittels einer Genpanel-Sequenzierung alle 18 bekannten PAH-Gene sowie mehr als 40 Forschungsgene untersuchten. Von 47 untersuchten Familien trugen 39 Mutationen in einem bekannten PAH-Gen. Von den acht verbleibenden Familien ohne nachweisbare pathogene Varianten (Mutationen) stimmten fünf einer Exom-Sequenzierung zu. Dabei wurden alle für Gene kodierenden Bereiche des Genoms sequenziert. Zusätzlich wurde ein Fragebogen entwickelt, um frühere Medikamenteneinnahmen oder Schadstoffexpositionen zu untersuchen, die die Entwicklung einer PAH oder einer pulmonalen veno-okklusiven Erkrankung (PVOD) ausgelöst haben könnten.

Bei der ersten Familie trugen Mutter und Tochter eine wahrscheinlich pathogene Variante in dem CYBA-Gen, das an der Bildung reaktiver Sauerstoffspezies beteiligt ist und einen pulmonalen Gefäßumbau verursachen kann. Bei der zweiten Familie waren ebenfalls Mutter und Tochter an PAH erkrankt. Die Exom-Sequenzierung ergab einen seltenen, wahrscheinlich schädlichen Aminosäureaustausch im FKBP1A-Gen, welches mit Rezeptoren des Transforming Growth Factor Beta (TGF-β)-Signalwegs interagiert. Eine Mutation in diesem Gen könnte möglicherweise eine Dysregulation des TGF-β-Signalwegs verursacht haben.Bei der dritten Familie waren die Geschwister der Indexpatientin bereits an einer PAH und einer interstitiellen Lungenerkrankung verstorben. Wir konnten eine neue, wahrscheinlich pathogene Variante im PTGR2-Gen identifizieren. Dieses Gen greift in den Prostazyklin-Stoffwechsel ein und könnte bei Mutationen zu Störungen in diesem wichtigen Signalweg führen, der auch bei PAH-Patienten therapeutisch adressiert wird. Bei den verbleibenden zwei Familien konnte trotz Sequenzierung aller bekannten Gene keine genetische Veranlagung gefunden werden. Stattdessen wurde mittels des neuen, detaillierten Fragebogens bei allen erkrankten Familienmitgliedern eine Exposition zu Schadstoffen identifiziert. In der vierten Familie hatten sowohl der an PAH erkrankte Vater als auch der Sohn eine langfristige Exposition gegenüber dem Lösungsmittel Trichlorethylen am Arbeitsplatz. Zusätzlich gaben beide die Medikamenteneinnahme eines Opioids an, welches bereits als PAH-Auslöser bei anderen Patienten beschrieben wurde. In der letzten der fünf Familien hatten zwei Brüder mit PVOD eine langjährige Schadstoffexposition zu Dämpfen von Lacken am Arbeitsplatz, die wahrscheinlich zu einer PVOD geführt haben. Daher ist es essenziell, nicht nur genetische Defekte, sondern auch externe Faktoren strukturiert zu erfragen, da die gleiche, langfristige Umweltbelastung bei betroffenen Individuen derselben Familie eine hereditäre Form der PAH nachahmen könnte. Zusammenfassend wurden in dieser Studie neue (wahrscheinlich) pathogene Varianten von bisher nicht für PAH beschriebenen TGF-β-Signalweg-Genen sowie weiteren Genen identifiziert, die an der Pathogenese von PAH beteiligt sein könnten. Weitere experimentelle Daten sind erforderlich, um die genauen zugrundeliegenden Pathomechanismen zu verstehen. Insgesamt zeigt diese Studie, wie wichtig es ist, PAH-Patienten und PAH-Familien nicht nur eine umfassende genetische Diagnostik anzubieten, sondern auch eine mögliche Exposition gegenüber Umwelttoxinen und Medikamenten zu berücksichtigen.              Pulmonal arterielle Hypertonie (Lungenhochdruck) 

Lungenhochdruck, medizinisch auch pulmonal arterielle Hypertonie (PAH), ist eine seltene, schwerwiegende Erkrankung, die durch eine starke Verengung der Lun­gengefäße gekennzeichnet ist.

Die Betroffenen leiden bereits bei geringster Belastung oder sogar in Ruhe unter Atemnot, blauen Lippen, Beinödemen, Brustschmerzen, und klagen allgemein über schnelle Erschöpfung und Ermüdung.

Die richtige Diagnose wird zumeist erst gestellt, wenn es durch die fortschreitende Druck- und Volumenbelastung des rechten Herzens zu dessen chronischem Versagen kommt. Diagnose: Bluthochdruck im Lungenkreislauf. Dieses Krankheitsbild tritt isoliert oder als Begleiterkrankung verschiedener Herz- und Lungenerkrankungen auf. Obgleich die pulmonale Hypertonie (PH) noch nicht geheilt werden kann, konnten in den letzten Jahren doch große Fortschritte in der Diagnostik und Therapie dieser Krankheit erzielt werden.

Die René Baumgart-Stiftung

Die René Baumgart-Stiftung wurde im Jahr 2001 vom gemeinnützigen Selbsthilfeverein pulmonale hypertonie e.v. gegründet und mit einen Kapitalstock von 70000 € ausgestattet. Seit 2004 wird jährlich ein Forschungspreis ausgelobt. Die René Baumgart-Stiftung fördert die klinische Forschung zur pulmonalen Hypertonie bei Kin­dern und Erwachsenen. Ziel ist es, durch Ursachenforschung neue Er­kenntnisse über den Lungenhochdruck zu gewinnen, so dass eine früh­zeitige Diagnose gestellt und mittel- und langfristig neue Therapieoptio­nen entwickelt werden können, die PH-Patienten nicht nur eine Stabili­sierung oder Linderung der Beschwerden ver­sprechen, sondern eine vollständige Heilung.

Der Namensgeber der Stiftung, René Baumgart, wurde 1971 in Aalen ge­boren. Als René 10 Jahre alt war, starb seine Mutter an Idiopathischer Pul­monal Arterieller Hypertonie (IPAH). René Baumgart erhielt seine Dia­gnose IPAH im Alter von 19 Jahren. Er erlernte den Beruf des Druckers und meldete sich nach bestandener Gesellenprüfung zur Meisterprüfung an. Kurz vor seinem Abschluss verstarb er im Alter von 23 Jahren an der tückischen Krankheit.

Mannheim, 25.03.2024 (lifePR) – Der mit 5.000 € dotierte Forschungspreis der gemeinnützigen René Baumgart-Stiftung für wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der pulmonalen Hypertonie wurde in Mannheim verliehen.

Der Preis ging an Frau Dr. Natalie Bordag von der Medizinischen Universität in Graz für ihre Arbeit zum Thema "Neuer Bluttest zur Diagnose und Risikoabschätzung von Lungenhochdruck".

Insgesamt wurden sechs hochqualifizierte Arbeiten eingereicht, die eine Entscheidung der dreiköpfigen Jury nicht leichtmachten. Die prämierte Arbeit entspricht den wichtigen Bewertungskriterien wie Originalität, Innovation und klinische Relevanz.

Prof. Dr. med. Jürgen Behr, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik V, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, sprach die Laudatio.

Zur preisgekrönten Arbeit:

Lipidomics for diagnosis and prognosis of pulmonary hypertension (Neuer Bluttest zur Diagnose und Risikoabschätzung von Lungenhochdruck)

Der Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie PH) betrifft 1% der Weltbevölkerung und stellt somit ein bedeutendes globales Gesundheitsproblem dar. Unentdeckt und unbehandelt ist der Lungenhochdruck ein Risiko für das Rechtsherzversagen, selbst wenn es sich nur um eine leichte Erhöhung des pulmonal arteriellen Drucks handelt. In den letzten Jahren wurden gezielte Therapien entwickelt, so dass die Fünf-Jahres-Überlebensrate für neu diagnostizierte Patienten mit schwerer PAH sich auf immerhin 61% verbessert hat.

Eine frühere Diagnose könnte die Behandlungsergebnisse entscheidend verbessern, ist aber schwierig zu erreichen. Letztlich kann die Diagnose nur durch die Messung des pulmonal arteriellen Drucks mittels einer invasiven Rechtsherzkatheter Untersuchung gestellt werden.

Unser Ziel war es, neue blutbasierte, alltagstaugliche Biomarker zur Diagnose und Risikoabschätzung zu entwickeln. Dafür wurden zunächst in einer ersten Grazer Kohorte aus 74 PH Patienten, 30 erkrankten Kontrollen ohne PH und 65 gesunden Probanden die metabolischen Profile gemessen. Ein metabolisches Profil ist die Vermessung kleiner Moleküle wie Zucker, Aminosäuren oder Fette. Die Auswertung dieser Profile mit verschiedenen Methoden und auch maschinellem Lernen ergab, dass bei PH vor allem der Fettstoffwechsel gestört war und besonders freie Fettsäuren (FFA) erhöht waren. Daraus konnten technisch robuste Biomarker erstellt werden. Diese unterschieden PH Patienten von gesunden Personen und Patienten mit anderen Krankheiten in unserer Grazer Kohorte sehr gut und diese Ergebnisse wurden in einer unabhängigen Validierungskohorte aus Regensburg und Zürich bestätigt. Das besondere an unserer Studie ist, dass wir Patienten mit verschiedenen Formen des Lungenhochdrucks (Gruppe 1 bis 4) eingeschlossen haben. Darüber hinaus waren diese blutbasierten Marker signifikant mit der Überlebensdauer assoziiert und verbesserten die Risikoabschätzung von zwei klinisch etablierten prognostischen Risikoindikatoren.

Wir haben die metabolischen Veränderungen auch zellulär untersucht, um die molekularen Mechanismen besser zu verstehen. Unsere Untersuchungen zeigten, dass kleine Lungenarterien von idiopathische pulmonal arterielle Hypertonie (IPAH)-Patienten von einer Lipidakkumulation betroffen sind. Auch war die Genexpression von Enzymen erhöht, die die Aufnahme von FFA und die Triglyceridbiosynthese in glatten Muskelzellen verursachen. Ferner wurde die Funktion von gesunden menschlichen Lungenzellen (arterielle Endothelzellen und glatte Muskelzellen) in der Zellkultur gestört, wenn diese mit erhöhten FFA Konzentrationen behandelt werden. So wurde in den Endothelzellen die NO-Sekretion vermindert und die Barrierefunktion gestört, während die Proliferation der glatten Muskelzellen anstieg. Darüber hinaus induzierte die FFA-Exposition Veränderungen in der nicht-mitochondrialen Atmung und der Kopplungseffizienz in beiden Zelltypen. Dies legt nahe, dass eine gestörte Fettverarbeitung in den Lungenarterien die krankhaften Umbauprozesse der Gefäßwände bei Lungenhochdruck begünstigt.

Insgesamt deuten unsere Erkenntnisse darauf hin, dass metabolische Veränderungen in kleinen Lungenarterien vorliegen, sowie unsere blutbasierten Biomarker die Diagnose und Prognoseabschätzung des Lungenhochdrucks verbessern können. Das könnte dazu beitragen, das Management der pulmonalen Hypertonie zu vereinfachen.

Pulmonal arterielle Hypertonie (Lungenhochdruck) 

Lungenhochdruck, medizinisch auch pulmonal arterielle Hypertonie (PAH), ist eine seltene, schwerwiegende Erkrankung, die durch eine starke Verengung der Lun­gengefäße gekennzeichnet ist.

Die Betroffenen leiden bereits bei geringster Belastung oder sogar in Ruhe unter Atemnot, blauen Lippen, Beinödemen, Brustschmerzen, und klagen allgemein über schnelle Erschöpfung und Ermüdung.

Die richtige Diagnose wird zumeist erst gestellt, wenn es durch die fortschreitende Druck- und Volumenbelastung des rechten Herzens zu dessen chronischem Versagen kommt. Diagnose: Bluthochdruck im Lungenkreislauf. Dieses Krankheitsbild tritt isoliert oder als Begleiterkrankung verschiedener Herz- und Lungenerkrankungen auf. Obgleich die pulmonale Hypertonie (PH) noch nicht geheilt werden kann, konnten in den letzten Jahren doch große Fortschritte in der Diagnostik und Therapie dieser Krankheit erzielt werden.

Journalistenpreis
Der Selbsthilfeverein lobt jährlich einen Journalistenpreis in Höhe von 3000 € aus. Weitere Informationen unter www.phev.de