Mainz, 20.10.2026 (lifePR) – Rastatt, Konvikt St. Bernhard. Strenge Regeln, frühes Aufstehen, eine „Grundausbildung“ fürs Leben. Als ich dort einzog, war Frank Elstner schon Jahre zuvor von der Schulbühne abgetreten. Dann eine gute Ausbildung am Ludwig-Wilhelm-Gymnasium in Rastatt. Die gleichen Lehrer, die gleichen Probleme……
Uns verband zunächst nur dasselbe Wappen. Jahrzehnte später verband uns ein Thema, das uns beide nicht mehr losgelassen hat: Was Lärm, Luft und Hitze mit unserem Herzen machen.
Frank wurde zu einem der treuesten Unterstützer der Stiftung Mainzer Herz und unserer Forschung. Er hat unsere Ergebnisse dorthin getragen, wo Fachzeitschriften nie ankommen: zu den Menschen. Jetzt haben wir gemeinsam ein Buch geschrieben, „Herzklima. Wie Umweltstress unsere Gesundheit gefährdet“. Ich liefere die Daten, Frank den Kommentar.
Frank Elstner: „Und es braucht Menschen, die darüber sprechen. Klar, verständlich, mit Haltung und manchmal auch mit einem Augenzwinkern. Deshalb dieses Buch. Deshalb ich.“
Lärm: Der Nachtflug, für den Ihr Herz kein Ticket gekauft hat
In Mainz haben wir es gemessen, nicht im Labor, sondern im eigenen Bett: Gesunde Medizinstudierende schliefen eine Nacht mit simuliertem Fluglärm. Am Morgen war ihre Gefäßfunktion messbar schlechter. Bei Herzkranken ist der Effekt noch stärker. Verantwortlich ist die Amygdala, der Mandelkern, das Alarmzentrum tief in unserem Gehirn. Sie bewertet Geräusche blitzschnell als Gefahr, auch im Schlaf, und schaltet die Stressreaktion ein. Wer glaubt, man gewöhne sich daran, irrt: Die Gefäße gewöhnen sich nicht. Sie werden empfindlicher.
Die WHO empfiehlt für Straßenverkehr maximal 53 Dezibel im Tagesmittel, für Fluglärm 45. Millionen Menschen schlafen bei höheren Pegeln. Verkehrslärm wird in Europa jedes Jahr mit rund 66.000 vorzeitigen Todesfällen in Verbindung gebracht. Lärm ist kein Hintergrundrauschen. Lärm ist ein Herzrisiko.
Frank Elstner: „Die Amygdala, unser innerer Wachhund, hört jedes Flugzeug, jeden Zug, jede nächtliche Beschleunigung. Sie ruft die Stressachse, Adrenalin und Cortisol eilen herbei, Blutdruck rauf, Gefäße eng, Schlaf kaputt. Und das Gemeine: Wir erinnern uns morgens an nichts, aber die Gefäße schon.“
Feinstaub: Klein, gemein und mit Backstage-Pass zum Herzen
Die Partikel sind kleiner als ein Dreißigstel eines Haares. Sie reisen vom Auspuff in die Lunge, von der Lunge ins Blut, vom Blut ins Herz. Weltweit wird Luftverschmutzung mit 8,1 Millionen Todesfällen pro Jahr in Verbindung gebracht. Damit ist sie nach Bluthochdruck der zweitgrößte Risikofaktor für Sterblichkeit überhaupt. Und Waldbrandrauch kennt keine Grenzen: Er zieht über ganze Kontinente und landet in unseren Gefäßen.
Die gute Nachricht: Ein weltweiter Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas könnte nach Modellrechnungen rund fünf Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr verhindern. Und wo Grenzwerte ernst genommen werden, zeigen sich schnell Erfolge.
Frank Elstner: „Feinstaub ist nicht nur ‚Dreck‘, er ist Biochemie mit Eintrittskarte. Die winzigen Teile lösen Entzündungen aus, aktivieren Stressachsen, verengen Gefäße, machen das Endothel müde. […] Und doch ist hier Raum für Optimismus: Der Körper ist lernfähig. Senkt man die Belastung, erholt sich das System.“
Hitze: Das Thermometer moderiert jetzt die Notaufnahme
Im Hitzesommer 2022 starben in Europa nach Schätzungen über 60.000 Menschen zusätzlich, ein großer Teil an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hitze dickt das Blut ein, verschiebt die Elektrolyte, löst Rhythmusstörungen aus. Am härtesten trifft es Ältere, Herzkranke, Kinder und alle, deren Wohnung sich nachts nicht abkühlt. Der Klimawandel ist längst ein Fall für die Kardiologie. Hitzeschutzpläne, Schatten und Bäume sind keine Kosmetik, sondern Herzmedizin.
Frank Elstner: „Hitze ist kein Sommer-Accessoire, sie ist ein lautloser Killer. Besonders erschreckt hat mich die Sache mit den Tropennächten. […] Und es sind nicht nur die Spitzenwerte von 40 Grad, die gefährlich sind. Es ist das Dauerfeuer, die fehlende Erholung, die den Körper kaputtmachen.“
Wasser und Boden: Frisch aus der Leitung – mit Beipackzettel
Was im Acker steckt und durchs Rohr fließt, entscheidet leiser über unser Herz als jeder Skandal. Weltweit werden verschmutztes Wasser und belastete Böden mit 1,5 bis 2 Millionen Todesfällen pro Jahr in Verbindung gebracht.Das erste Opfer ist das Endothel, die hauchdünne Schutzschicht unserer Gefäße. Ist es gereizt, beginnt die Arteriosklerose. Und Grenzwerte beruhigen nur scheinbar, denn der Körper bekommt nie nur einen Stoff ab, sondern immer einen Cocktail.
Frank Elstner: „Früher fragte man mich: ‚Wie hoch ist der Cholesterinspiegel?‘ Heute frage ich zurück: ‚Wie geht’s deinem Boden, und eurem Wasserwerk?‘ Denn Blei, Cadmium, Quecksilber, Pestizide und die hartnäckigen PFAS reisen von Feld und Fabrik über Pflanze und Trinkwasser bis ins Blut […].“
Mikroplastik: Die Montagsmaler hätten es nie erraten
Was wir wegwerfen, kommt zurück. Über Meer, Nahrung und Wasser landen die Partikel in uns, bis in die Ablagerungen unserer Gefäße. Dort feuern sie Entzündungen an. Plastik ist damit nicht mehr nur ein Umweltproblem, sondern ein Herzproblem.
Frank Elstner: „Mikro- und Nanoplastik, das unsichtbare Konfetti unserer Zeit, parkt in Plaques, entfacht Oxidationsfeuer und erhöht die Gerinnselneigung. Umwelt ist nicht Kulisse – sie schreibt am Drehbuch unserer Gefäße mit. […] Plastik ist kein Deko-Fehler, sondern kardiovaskulär.“
Rauchen und Nikotin: Kein Teer, nur Dampf, mit Apfel – und trotzdem Gift fürs Herz
Neue Verpackung, alter Wirkstoff: E-Zigarette, Shisha, Tabakerhitzer, Nikotinbeutel. In unserer Mainzer Studie reichte bei gesunden Nichtrauchern schon eine einzige Sitzung mit E-Zigarettendampf, um die Gefäße messbar steifer zu machen. Schuld sind freie Radikale und Aldehyde wie Acrolein und Formaldehyd. Weniger schädlich heißt eben nicht harmlos. Und wer daneben sitzt, raucht mit.
Frank Elstner: „Medizinisch ist die Sache klar: Jede Zigarette ist ein kleines Chemielabor mit großem Finale im Gefäßsystem. […] Das Endothel ist der erste Verwundete, der Herzinfarkt oft der letzte Akt. […] Das ist Rekrutierung mit Fruchtgeschmack.“
Kosten der Verschmutzung: Der Jackpot, den keiner gewinnen will
Wegschauen ist die teuerste Strategie von allen. Umweltbedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen kosten Europa nach konservativer Schätzung 75 bis 115 Milliarden Euro pro Jahr. Allein die PFAS schlagen mit 52 bis 84 Milliarden Euro zu Buche. Global beziffert die Weltbank die Gesundheitskosten von Feinstaub auf rund 8,1 Billionen Dollar jährlich, gut sechs Prozent der Weltwirtschaftsleistung. Das ist keine Fußnote im Umweltbericht. Das ist eine Rechnung mit Intensivstation, Reha und Frühverrentung. Saubere Luft, leise Nächte und kühle Städte sind keine Ausgabe, sondern die beste Investition, die wir haben.
Frank Elstner: „Herzinfarkte, Schlaganfälle und Todesfälle sind nicht gottgegeben. Viele sind beeinflussbar. Wir müssen nur den Mut haben, das Offensichtliche zu tun.“
Stiftung Mainzer Herz: Der Saal tanzt, die Forschung gewinnt
Hier schließt sich der Kreis. 2007 habe ich die Stiftung Mainzer Herz gegründet, weil Spitzenforschung nicht hinter Klinikmauern verschwinden darf. Heute fördert sie Forschung, die Kardiologie und Umwelt verbindet. In der Kinderakademie Gesundheit lernen Kinder spielerisch Bewegung, Ernährung, Nichtrauchen und Prävention. Und beim Herzball ist Frank als Schirmherr das Gesicht dieses Engagements.
Frank Elstner: „Der Herzball ist keine Gesellschaftsveranstaltung im üblichen Sinne, kein Schaulaufen in Smoking und Abendkleid. Es ist ein Abend, an dem Herz auf Herz trifft. […] Hier wird Geld gesammelt, das nicht irgendwo verschwindet, sondern direkt zurückfließt: in Kinder, in Wissenschaft, in Pflege, in Zukunft.“
Zwei Schüler aus Rastatt, ein Weckruf fürs Herz. Umwelt-Kardiologie beginnt nicht im Sprechzimmer. Sie beginnt dort, wo wir leben. Vor der Haustür. Und Frank schließt sein Vorwort mit einer Wette, die ich sofort unterschreibe:
Frank Elstner: „Denn wenn wir heute verstehen, was uns morgen krank macht, dann können wir auch heute schon etwas dagegen tun. Und das wäre doch mal eine Wette, auf die es sich zu setzen lohnt.“
Buchinfo: Prof. Thomas Münzel / Frank Elstner: Herzklima. Wie Umweltstress unsere Gesundheit gefährdet.
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