Vogelsbergkreis, 07.08.2026 (lifePR) – Einen Moment nicht aufgepasst, ein falscher Schritt und schon ist es passiert: Eine 71-Jährige ist ganz unglücklich von der Leiter gestürzt, jetzt hat sie wahnsinnige Schmerzen in der Hüfte, sie kann nicht aufstehen und braucht Hilfe vom Rettungsdienst. Das Problem: Sie spricht ausschließlich persisch. Wie also soll sie dem Notarzt sagen, was passiert ist? Wie soll sie seine Fragen, die sie ja gar nicht versteht, beantworten? Hilfe kommt von Keyvan Seifialou, einem speziell für Notfälle geschulten Dolmetscher, der direkt von der Leitstelle des Vogelsbergkreises benachrichtigt wird und per Telefon zwischen Arzt und Patientin am Unfallort übersetzen kann.

Eins vorab: Die 71-Jährige ist nicht wirklich gestützt, sie existiert gar nicht, vielmehr wird der Fall durchgespielt, denn an diesem Nachmittag ist hoher Besuch im Hause: Katrin Hechler, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, ist zu Gast in der Vogelsberger Kreisverwaltung, um dem WIR-Vielfaltszentrum einen Förderbescheid in Höhe von 600.000 Euro zu überreichen. „Wir setzen die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Land und kommunalen Akteuren auch künftig fort. Mit unserer Förderung stärken wir die kommunalen Integrationsstrukturen und schaffen durch die bis Ende 2030 angelegte Förderperiode eine verlässliche Grundlage für die langfristige Planung in den Kommunen", sagt Hechler. „Die Förderung ist ein wichtiges Signal für Kontinuität und Weiterentwicklung des WIR-Vielfaltszentrums im Vogelsbergkreis, das für Offenheit, Respekt und gesellschaftlichen Zusammenhalt steht“, ergänzt Landrat Dr. Jens Mischak.

WIR-Vielfaltszentren sind lokale Schnittstellen zwischen Land und Kommunen sowie zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft. Sie koordinieren die regionale Integrationsarbeit vor Ort. Im WIR-Vielfaltszentrum im Vogelsbergkreis steht neben der Betreuung der Integreat-App und der Organisation der Interkulturellen Woche besonders das Thema Sprachmittlung im Fokus. Schon 2015 wurde dieses Projekt gestartet, heute stehen rund 150 Sprachmittler zur Verfügung, die eine Bandbreite von 40 Sprachen abdecken. Sie unterstützen Menschen mit geringen Deutschkenntnissen beispielsweise bei einem Behördengang, einem Arzttermin oder einem Elterngespräch in der Schule. Insgesamt kommen rund 2000 Einsätze im Jahr zusammen.

„Eine Besonderheit im Vogelsbergkreis stellt das Notfallprojekt dar“, erläutert WIR-Koordinatorin Antonia Schäfer. Die Ehrenamtlichen werden dabei speziell geschult und können bei Notfalleinsätzen telefonisch über die Leitstelle hinzugezogen werden, schildert Björn Preuß-von Brincken, Interkultureller Berater Feuerwehr und Projektpartner. „Oft dauert ein solcher Einsatz nur fünf Minuten, doch er kann ein Leben retten“, so Preuß-von Brincken, der dieses Projekt gerne hessenweit etablieren würde. Denn im Vogelsbergkreis ist das Notfallprojekt richtig gut angelaufen, das bestätigen auch die vier Notfall-Dolmetscher, die an diesem Nachmittag am Termin teilnehmen: „Die Menschen sind in einer Ausnahmesituation, sie haben Schmerzen, wenn sie dann ihre eigene Sprache hören, fühlen sie sich gleich viel sicherer“, sagt eine der Teilnehmerinnen. „KI hilft und ist gut“, ergänzt eine der Kolleginnen, „aber wenn Leute in Not sind, ist die Sprache verändert, KI kann sie dann nicht verstehen.“ Das bestätigt auch Preuß-von Brincken: „Google ist schön, KI noch mehr, aber im Notfall braucht es den direkten Kontakt.“ 

Und von solchen Kontakten und Einsätzen berichten die vier Notfall-Dolmetscher nicht nur, sie spielen auch die Notfall-Situation mit dem eingangs erwähnten Sturz einer 71-Jährigen durch. Das Fazit von Staatssekretärin Katrin Hechler fällt eindeutig aus: „Das ist ein wirklich tolles Projekt, Sie machen hier wirklich eine tolle Arbeit, machen Sie bitte weiter!“