Steinfurt, 03.11.2026 (lifePR) – Was eine Milchkuh täglich frisst, hat erheblichen Einfluss auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden. Schon kleine Fehler bei der Fütterung können Stoffwechselprobleme begünstigen und Erkrankungsrisiken erhöhen. Wie sich solche Probleme frühzeitig erkennen und vermeiden lassen, zeigte ein praxisnaher Workshop der Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA). Tierärzte, Landwirte und Fütterungsberater arbeiteten dabei gemeinsam an einem Ziel: gesündere Kühe durch bessere Vorsorge und möglichst wenig notwendigen Arzneimitteleinsatz.

Gesunde Kühe sind kein Zufall – die richtige Fütterung ist entscheidend

Wer Milch kauft, denkt vermutlich selten darüber nach, was die Kuh zuvor gefressen hat. Dabei beginnt verantwortungsvolle Milchproduktion lange vor dem Melken: mit gesundem Futter, einer ausgewogenen Ernährung und Menschen, die ihre Tiere aufmerksam beobachten.

Eine Milchkuh ist ein Wiederkäuer mit einem hochkomplexen Verdauungssystem. Millionen von Mikroorganismen helfen ihr dabei, Gras, Heu und andere Futtermittel zu verwerten. Doch dieses empfindliche Zusammenspiel kann gestört werden.

Bekommt eine Kuh beispielsweise zu wenig faserreiches Futter oder zu viel leicht verdauliche Stärke, kann die Verdauung aus dem Gleichgewicht geraten. Die Folgen reichen von einer beeinträchtigten Futteraufnahme bis hin zu Stoffwechselstörungen und gesundheitlichen Problemen.

Was viele Verbraucher nicht wissen: Selbst eine rechnerisch optimal zusammengestellte Futterration garantiert noch keine gesunde Ernährung.

Denn entscheidend ist nicht allein, was der Landwirt den Kühen vorlegt, sondern was die Tiere tatsächlich aufnehmen. Können alle Kühe ungestört fressen? Ist das Futter gleichmäßig gemischt? Sortieren einzelne Tiere bestimmte Bestandteile heraus? Steht jederzeit ausreichend frisches Wasser zur Verfügung?

Solche scheinbar einfachen Fragen können für das Wohlbefinden und die Gesundheit einer ganzen Milchviehherde große Bedeutung haben.

Tierärzte und Landwirte schauen gemeinsam genauer hin

Wie wichtig diese Zusammenhänge sind, zeigte der AVA-Workshop „Fütterungscontrolling im Milchkuhbetrieb“ am 27. und 28. Oktober 2026 in Ochsenhausen.

Das Besondere: Tierärzte, Landwirte und Fütterungsberater lernten nicht getrennt voneinander, sondern arbeiteten gemeinsam auf Augenhöhe.

Unter der Leitung und Moderation von AVA-Gründer Ernst-Günther Hellwig, Fachtierarzt und Agrarwissenschaftler, vermittelten die Fachreferenten Dr. Wolfram Richardt und Dr. Bernhard Hofmeister vom Rindergesundheitsdienst Baden-Württemberg aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Methoden zur Beurteilung der Milchkuhfütterung.

Ein wesentlicher Bestandteil war der gemeinsame Betriebsbesuch auf dem Milchhof Bebenhaus bei Ochsenhausen. Betriebsleiter Matthias Heckenberger stellte seinen Milchviehbetrieb für die praktischen Untersuchungen zur Verfügung.

Hier ging es nicht darum, möglichst viele Liter Milch aus einer Kuh herauszuholen. Vielmehr stand die Frage im Mittelpunkt, ob Fütterung, Haltung und Management tatsächlich zu den Bedürfnissen der Tiere passen.

Anhand strukturierter Checklisten beurteilten die Teilnehmer Futter, Tiere und betriebliche Abläufe. Die Beobachtungen wurden anschließend gemeinsam diskutiert und fachlich eingeordnet.

Denn häufig erkennt der geschulte Blick am Tier frühzeitig Veränderungen, die allein aus Futterberechnungen oder Leistungsdaten nicht ersichtlich werden.

Krankheiten verhindern, bevor Medikamente notwendig werden

In der öffentlichen Diskussion über landwirtschaftliche Tierhaltung stehen häufig Antibiotika, Tierwohl und hohe Milchleistungen im Mittelpunkt. Weniger Aufmerksamkeit erhält die tägliche Vorbeugung im Stall.

Dabei ist sie eine wesentliche Voraussetzung dafür, Erkrankungen möglichst zu vermeiden.

Eine bedarfsgerechte Fütterung kann beispielsweise helfen, Verdauungs- und Stoffwechselstörungen vorzubeugen. Besonders wichtig ist dies rund um die Geburt eines Kalbes, wenn sich der Stoffwechsel der Kuh innerhalb kurzer Zeit auf die Milchproduktion umstellen muss.

Auch die regelmäßige Kontrolle der Futteraufnahme, des Wiederkauverhaltens und des Ernährungszustands liefert wertvolle Hinweise auf mögliche gesundheitliche Probleme.

Das bedeutet keineswegs, dass kranke Tiere keine Medikamente erhalten sollen. Im Gegenteil: Notwendige tierärztliche Behandlungen dürfen nicht unterbleiben.

Das Ziel lautet vielmehr, durch bessere Betreuung und vorbeugende Maßnahmen möglichst viele vermeidbare Erkrankungen gar nicht erst entstehen zu lassen.

Genau hier setzt der AVA-Leitsatz an: „AVA-Fortbildungen helfen Tierarzneimittel einsparen.“

Was haben Verbraucher davon?

Wer Wert auf verantwortungsvoll erzeugte Milch und eine tiergerechte Landwirtschaft legt, sollte auch die Arbeit hinter den Kulissen kennen.

Gesunde Tiere sind eine wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige Milcherzeugung. Eine gute Fütterung unterstützt nicht nur die Tiergesundheit, sondern kann auch dazu beitragen, Futtermittel effizienter zu nutzen und unnötige Verluste zu vermeiden.

Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel verschiedener Fachrichtungen: Der Landwirt kennt seine Tiere und seinen Betrieb. Der Tierarzt beurteilt gesundheitliche Zusammenhänge. Der Fütterungsberater bringt seine Kenntnisse über Nährstoffe und Futterqualität ein.

Erst der gemeinsame Blick auf das Tier und seinen gesamten Lebensbereich ermöglicht fundierte Entscheidungen.

Der erfolgreiche AVA-Workshop in Ochsenhausen hat gezeigt, wie wichtig dieser fachübergreifende Austausch für eine moderne, verantwortungsbewusste Milchviehhaltung ist.

Denn besseres Tierwohl entsteht nicht allein durch Vorschriften. Es entsteht vor allem dort, wo Wissen, Erfahrung und tägliche Verantwortung zusammenkommen – direkt bei den Tieren im Stall.