Stuttgart, 20.08.2026 (lifePR) – Die Abkürzung MS steht für Multiple Sklerose. Dabei handelt es sich nicht um eine Erkrankung der Muskulatur, sondern um eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems. „Bei Multipler Sklerose werden durch fehlgeleitete Immunprozesse Strukturen in Gehirn und Rückenmark geschädigt. Dadurch kann die Weiterleitung von Nervensignalen beeinträchtigt werden“, erklärt AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V. Muskelschwund – medizinisch Muskelatrophie genannt – bezeichnet dagegen die Abnahme von Muskelmasse. Der Begriff ist keine eigenständige Diagnose, sondern beschreibt einen Befund beziehungsweise ein Symptom, das unterschiedliche Ursachen haben kann.
Unterschiedliche Ursachen
Der Name Multiple Sklerose bedeutet sinngemäß „vielfache (multiple) Verhärtungen beziehungsweise Vernarbungen (Sklerosen)“. Gemeint sind damit die vielen Narben, die bei MS als Folge chronischer Entzündungen im Gehirn oder Rückenmark entstehen. Je nachdem, welche Bereiche des Zentralen Nervensystems betroffen sind, können unterschiedliche Beschwerden auftreten. Dazu zählen unter anderem Sehstörungen, Spastik, Kognitionsprobleme oder Fatigue – eine abnormale körperliche und geistige Erschöpfbarkeit. Die Muskulatur der MS-Erkrankten ist jedoch in der Regel gesund, sie kann nur bei manchen Betroffenen nicht mehr richtig gesteuert werden.
Muskelschwund kann dagegen verschiedene neuromuskuläre Ursachen haben, bei denen der Muskel selbst, motorische Nervenzellen, periphere Nerven oder die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel betroffen sein können. Sie sind gekennzeichnet durch einen stetigen Verlust an Muskelmasse. Zu diesen Erkrankungen gehören unter anderem die Duchenne-Muskeldystrophie und die Spinale Muskelatrophie (SMA).
Neuromuskuläre Erkrankungen können erblich bedingt oder im Laufe des Lebens erworben sein. Verlauf und Ausprägung unterscheiden sich erheblich: Bei manchen Erkrankungen sind nur einzelne Muskelgruppen betroffen, bei anderen größere Teile der Muskulatur.
Muskelabbau als mögliche Folge von Bewegungsmangel
Auch bei Menschen mit MS kann die Muskelmasse abnehmen. Ursache dafür kann beispielsweise sein, dass bestimmte Muskeln aufgrund von Bewegungseinschränkungen über längere Zeit weniger beansprucht werden. Die zugrundeliegende MS ist dennoch keine primäre Muskelerkrankung: Die Muskelschwäche entsteht vor allem dadurch, dass die Steuerung der Muskulatur durch das Zentrale Nervensystem beeinträchtigt ist.
Einem inaktivitätsbedingten (sekundären) Muskelabbau kann häufig mit individuell angepasster Bewegung, Krafttraining und Physiotherapie entgegengewirkt werden. Welche Maßnahmen geeignet sind und in welchem Umfang sich Muskelmasse wiederaufbauen lässt, hängt von der persönlichen gesundheitlichen Situation ab.
Ähnliche Beschwerden bedeuten nicht dieselbe Erkrankung
MS und neuromuskuläre Erkrankungen können ähnliche Beschwerden verursachen. Ein Beispiel ist die Fußheberschwäche: Betroffene können den Fuß beim Gehen nicht mehr ausreichend anheben und rollen ihn nicht mehr kontrolliert ab. Eine solche Schwäche kann sowohl bei MS als auch bei unterschiedlichen Erkrankungen der Nerven oder Muskeln auftreten. Das gleiche Symptom lässt daher nicht automatisch auf die gleiche Ursache schließen.
Seit 1974 ist AMSEL Fachverband, Interessenvertretung und Selbsthilfeorganisation für Menschen mit MS und ihre Angehörigen. Unterstützung im Umgang mit der Erkrankung sowie aktuelle Informationen rund um Multiple Sklerose bietet AMSEL unter www.amsel.de
