Düsseldorf, 03.07.2026 (lifePR) – Die Zahl der öffentlichen Apotheken im Kammerbezirk Nordrhein ist im ersten Halbjahr 2026 weiter gesunken. Zum Stichtag 1. Juli 2026 versorgten noch 1.886 Apotheken die Menschen zwischen Rhein und Ruhr und damit zehn weniger als zu Jahresbeginn (1.896). Insgesamt standen vier Neueröffnungen 14 Schließungen gegenüber.
Die Auswirkungen der Apothekenschließungen sind regional unterschiedlich spürbar. Während sich in ländlichen Regionen die Wege zur nächsten Apotheke weiter verlängern, entstehen in den Städten oft übersehene Belastungen. Gerade in dicht besiedelten Regionen zeigt sich dieser Effekt zunehmend: weniger Standorte bei gleichbleibendem Versorgungsbedarf.
„Gerade in größeren Städten bleiben die Wege zur nächstgelegenen Apotheke trotz Schließungen kurz. Aber die verbliebenen Betriebe müssen die Patientinnen und Patienten der geschlossenen Apotheken mitversorgen“, erklärt Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein. „Das führt zwangsläufig zu längeren Wartezeiten für Patientinnen und Patienten und einer deutlich höheren Arbeitsbelastung für die Teams in den Apotheken. Den Trend, dass Quartal für Quartal mehr Apotheken schließen als neue eröffnen, beobachten wir seit mehr als 25 Jahren.“
Mit dem Inkrafttreten des Apothekenversorgungsweiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) werden dieses Jahr wichtige Verbesserungen auf den Weg gebracht. Apotheken können ihre Rolle in der Patientenversorgung weiter ausbauen. Neue pharmazeutische Dienstleistungen oder erweiterte Impfkompetenzen stärken die wohnortnahe Versorgung – Apotheken sind Teil der Primärversorgung.
„Die Reform geht grundsätzlich in die richtige Richtung. Die zusätzlichen Kompetenzen zeigen, wie wichtig Apotheken für eine moderne, niederschwellige Gesundheitsversorgung sind“, sagt Hoffmann. „Viele Apothekenteams können diese neuen Möglichkeiten schon bald aktiv nutzen und ihre Versorgungsangebote weiterentwickeln.“
Auch wirtschaftlich gibt es durch das Gesetz ein lange erwartetes, positives Signal: Erstmals seit mehr als 13 Jahren gibt es eine Erhöhung des Apothekenhonorars. In einem ersten Schritt wird die Vergütung bereits zum 1. Juli 2026 von 8,35 Euro auf 9,00 Euro pro abgegebener verschreibungspflichtiger Packung erhöht. Anfang 2027 soll eine Anhebung auf 9,50 Euro folgen.
Gleichzeitig wird ein Teil der positiven Effekte durch neue gesetzliche Belastungen relativiert. Ein aktueller Regierungsentwurf zur Stabilisierung der Krankenkassen sieht vor, dass Apo-theken künftig einen größeren Teil ihres Honorars an die gesetzlichen Krankenkassen zu Stabilisierung der GKV-Finanzen abführen müssen. Damit wird ein Teil der Honoraranhebung faktisch wieder aufgezehrt.
„Dass das Honorar endlich angehoben wurde, ist ein wichtiger Schritt nach vorne“, sagt Hoffmann. „Wenn jetzt aber auf der anderen Seite die Honorarerhöhung wieder abgezweigt wird, droht der Effekt zu verpuffen“, warnt er jedoch. „Für viele Betriebe bleibt die wirtschaftliche Perspektive damit unsicher.”
Die Anforderungen an das Gesundheitssystem wachsen weiter. Insbesondere vor dem Hintergrund einer älter werdenden Bevölkerung gewinnt die Primärversorgung zunehmend an Bedeutung. Apotheken können hier einen wichtigen Beitrag leisten, um das System zu entlasten. Die Apothekenreform hat dafür wichtige Voraussetzungen geschaffen. Entscheidend bleibt jedoch ein stabiles wirtschaftliches Fundament.
„Apotheken sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung – in der Stadt wie auf dem Land“, betont Hoffmann. „Damit das auch in der Zukunft so bleibt, brauchen die Betriebe verlässliche Rahmenbedingungen und echte wirtschaftliche Planungssicherheit.“
Übersicht Neueröffnungen und Schließungen öffentlicher Apotheken
In der Spalte „Apotheken 01.01.2026“ ist die Anzahl der öffentlichen Apotheken am 1. Januar dieses Jahres eingetragen. Unter „Neue Apotheken“ finden Sie die Zahl der neu eröffneten Apotheken zwischen dem 1. Januar 2026 und dem 1. Juli 2026, gleiches gilt für die Schließungen und den sich so ergebenden Saldo. In der Spalte „Apotheken 01.07.2026“ ist die Anzahl der zum Halbjahresbeginn vorhandenen Apotheken angegeben. Zur Einschätzung der Entwicklung stellen wir in der letzten Spalte die Zahlen von vor fünf Jahren zur Verfügung.
