Steinfurt, 24.06.2026 (lifePR) – Mit einer ausgesprochen positiven Resonanz der teilnehmenden Tierärztinnen und Tierärzte endete der zweitägige Intensivworkshop „Nabelerkrankungen des Kalbes & Fälle aus der Kälberpraxis“ der Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) Mitte Juni 2026 in Dachsbach (Mittelfranken).
Unter der fachlichen Leitung von Dr. Annette Lorch von der Klinik für Wiederkäuer der Ludwig-Maximilians-Universität München stand die praxisorientierte Kälbermedizin auf höchstem fachlichem Niveau im Mittelpunkt des Workshops.
Die Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA) hatte bewusst ein Seminarformat gewählt, das wissenschaftlich fundiertes Fachwissen unmittelbar mit der praktischen Arbeit auf den Milchviehbetrieben verbindet. Genau dieser Ansatz wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern besonders geschätzt. Viele der anwesenden Rinderpraktiker:innen betonten, dass sie selten eine Fortbildung erlebt hätten, die so viele unmittelbar umsetzbare diagnostische und therapeutische Maßnahmen für die tägliche Bestandsbetreuung, mit Schwerpunkt „Nabel“ und häufig auftretende Kälbererkrankungen vermittelt.
Nabelerkrankungen des Kalbes – ein unterschätztes Problem mit hoher wirtschaftlicher Bedeutung
Der erste Seminartag widmete sich intensiv den Nabelerkrankungen des Kalbes. Dabei wurde deutlich, dass Nabelentzündungen weit mehr darstellen als lokale Infektionen im Bereich des Nabels. Häufig bilden sie den Ausgangspunkt für schwerwiegende systemische Erkrankungen, die den Gesundheitsstatus und die spätere Leistungsfähigkeit der Tiere nachhaltig beeinträchtigen können.
Frau Dr. Lorch erläuterte anhand zahlreicher Praxisbeispiele die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Nabelerkrankungen und zeigte die diagnostischen Möglichkeiten auf, mit denen Veränderungen der Nabelvene, der Nabelarterien oder des Urachus frühzeitig erkannt werden können. Neben klinischer Untersuchung und differenzialdiagnostischer Einordnung wurden auch Prognoseeinschätzungen und moderne Therapieansätze ausführlich mit den Teilnehmenden diskutiert.
Besonderes Interesse fanden die chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten. Schritt für Schritt wurden operative Verfahren anhand von Nativpräparaten und Videosequenzen vorgestellt, ihre Indikationen erläutert und mögliche Komplikationen diskutiert. Einen besonderen Mehrwert boten die praktischen Übungen an den Nabelpräparaten. Unter fachkundiger Anleitung konnten die Teilnehmer verschiedene Operationsschritte selbst durchführen und dadurch wichtige praktische Erfahrungen sammeln. Gerade diese Verbindung aus Theorie und praktischer Anwendung wurde von den Teilnehmern als außergewöhnlich wertvoll bewertet.
Falltag Kälbermedizin – Praxiswissen für den tierärztlichen Alltag
Der zweite Seminartag stand ganz im Zeichen der praktischen Kälbermedizin. Anhand realer Fälle aus der täglichen Praxis wurden Diagnostik, Therapie und Prävention intensiv diskutiert. Dieses interaktive Konzept ermöglichte einen offenen fachlichen Austausch zwischen Referentin und Teilnehmern und sorgte für eine besonders lebendige Arbeitsatmosphäre.
Neugeborenendurchfall – Diagnostik und Therapie auf aktuellem wissenschaftlichem Stand
Ein weiterer Schwerpunkt des zweiten AVA-Seminartages war die moderne Therapie des Neugeborenendurchfalls beim Kalb. Dieses Krankheitsbild zählt weltweit weiterhin zu den häufigsten Ursachen für Verluste in der Kälberaufzucht und stellt Tierärzte regelmäßig vor therapeutische Herausforderungen.
Anhand zahlreicher Videosequenzen wurden klinische Untersuchungsmethoden vorgestellt und intensiv diskutiert. Im Fokus stand insbesondere die praxisnahe Abschätzung von Flüssigkeitsdefiziten, Azidosen und Pufferbedarfen allein auf Grundlage klinischer Befunde. Die Teilnehmer konnten „lernen“, wie eine schnelle und zugleich fundierte Beurteilung des Dehydratationsgrades und des Säure-Basen-Status direkt im Stall möglich ist. Und dies ohne aufwendige Labordiagnostik, deren Ergebnisse oft erst Tage später verfügbar sind.
Dabei wurde deutlich, dass eine schnelle zielgerichtete Flüssigkeits- und Elektrolyttherapie häufig über den Behandlungserfolg entscheidet. Zahlreiche Fallbeispiele aus der Klinik und der Feldpraxis zeigten eindrucksvoll, wie wichtig eine frühzeitige und differenzierte Therapie für die Prognose der betroffenen Kälber ist.
Breiten Raum nahmen neurologische Erkrankungen und Stoffwechselstörungen ein. Insbesondere Hypernatriämien und Kochsalzvergiftungen wurden anhand eindrucksvoller Fallbeispiele besprochen. Die Teilnehmer diskutierten klinische Symptome, differenzialdiagnostische Abgrenzungen sowie geeignete therapeutische Maßnahmen.
Großes Interesse fanden außerdem die Vorträge und Demonstrationen zu Trinkschwäche und Pansentrinken. Gerade diese Problematik gewinnt in vielen Milchviehbetrieben zunehmend an Bedeutung und erfordert eine schnelle und zielgerichtete tierärztliche Intervention. Praktische Vorgehensweisen wie die Gewinnung von Pansensaft, die Durchführung einer Pansenspülung sowie Maßnahmen zur Stimulation trinkschwacher Kälber wurden ausführlich dargestellt.
Ein weiteres Highlight stellte die Vorstellung der epiduralen Alkoholanästhesie zur Behandlung des Tenesmus dar, die von Dr. Rademacher vorgestellt und miteinander diskutiert wurde. Die Teilnehmer erhielten konkrete Anleitungen zur praktischen Durchführung und konnten Nutzen sowie Grenzen dieser Methode anhand von Fallbeispielen kritisch diskutieren.
Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit gehören zusammen
Im Verlauf des Workshops wurde immer wieder deutlich, welche enorme Bedeutung gesunde Kälber für den wirtschaftlichen Erfolg moderner Milchviehbetriebe besitzen. Die deutlich gestiegenen Aufzuchtkosten und der hohe Wert weiblicher Nachzuchttiere führen dazu, dass Erkrankungen im Kälberalter heute stärker denn je im Fokus stehen.
Frühzeitige Diagnostik, gezielte Therapie und konsequente Prävention sind nicht nur aus Sicht der Tiergesundheit und des Tierwohls entscheidend, sondern auch wesentliche Faktoren für die Wirtschaftlichkeit der Betriebe. Genau hier setzt die moderne tierärztliche Bestandsbetreuung an.
Die AVA-Veranstaltung machte deutlich, dass Nutztierärzte heute weit mehr sind als reine Behandler einzelner Tiere. Sie entwickeln sich zunehmend zu Gesundheitsmanagern auf den Betrieben, die durch fundierte Beratung und präventive Strategien maßgeblich zur Verbesserung von Tiergesundheit, Tierwohl und Betriebserfolg beitragen.
Hervorragende Bewertung durch die Teilnehmer
Die Rückmeldungen der Teilnehmer fielen durchweg außerordentlich positiv aus. Besonders hervorgehoben wurden die hohe Praxisrelevanz, die wissenschaftliche Aktualität der Inhalte sowie die unmittelbare Umsetzbarkeit der vermittelten Maßnahmen.
Mehrfach wurde betont, dass zahlreiche diagnostische und therapeutische Verfahren bereits unmittelbar nach der Rückkehr in den Praxisalltag eingesetzt werden können. Die Kombination aus Fallbeispielen, Videomaterial, intensiven Diskussionen und praktischen Übungen wurde als besonders gewinnbringend bewertet.
Mit 14 von der Akademie für tierärztliche Fortbildung (ATF) anerkannten Fortbildungsstunden erfüllte die Veranstaltung zudem höchste Anforderungen an eine qualifizierte tierärztliche Weiterbildung.
Fazit
Der AVA-Workshop „Nabelerkrankungen des Kalbes & Fälle aus der Kälberpraxis“ in Dachsbach zeigte eindrucksvoll, wie moderne tierärztliche Fortbildung aussehen kann: wissenschaftlich fundiert, praxisnah, interaktiv und unmittelbar umsetzbar.
Die Teilnehmer verließen die Veranstaltung mit zahlreichen neuen diagnostischen und therapeutischen Werkzeugen für ihre tägliche Arbeit in der Rinderpraxis. Gleichzeitig wurde deutlich, dass gerade die Kälbermedizin erhebliche Potenziale für eine erfolgreiche tierärztliche Bestandsbetreuung bietet.
Wer an diesem AVA-Workshop teilgenommen hat, wird zukünftige Kälberfälle mit noch größerer diagnostischer Sicherheit und therapeutischer Kompetenz betreuen können. Wer nicht dabei war, hat eine hervorragende Fortbildung verpasst – sollte sich aber die nächste Gelegenheit bei der AVA keinesfalls entgehen lassen.
Alle AVA-Veranstaltungen sind auf der AVA-Homepage unter http://www.ava1.dezu finden.
EG Hellwig, Gründer und Leiter der Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA)
