Hannover, 27.05.2026 (lifePR) – Zum Internationalen Aktionstag für Frauengesundheit am 28. Mai und dem Weltnichtrauchertag am 31. Mai wirft die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) einen Blick auf aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen rund um Multiple Sklerose (MS), Frauengesundheit und beeinflussbare Risikofaktoren.
Wechseljahre ohne klaren Einfluss auf den Krankheitsverlauf von MS
Frauen sind etwa dreimal häufiger von MS betroffen als Männer. Dennoch bestehen insbesondere in Lebensphasen wie den Wechseljahren weiterhin Forschungslücken. Lange wurde angenommen, dass die Menopause den Verlauf der Erkrankung grundsätzlich verschlechtern könne. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen zeichnen inzwischen jedoch ein genaueres Bild.
Eine aktuelle Studie begleitete 559 Frauen mit MS während und nach den Wechseljahren und verglich ihre Krankheitsentwicklung mit einer ähnlich alten männlichen Vergleichsgruppe. Der Vergleich mit Männern hilft Forschenden dabei besser einzuschätzen, welche Veränderungen tatsächlich mit den Wechseljahren zusammenhängen und welche eher normale altersbedingte Entwicklungen der Erkrankung betreffen. Dabei zeigte sich, dass weder die Schubhäufigkeit noch die gemessene Behinderungsentwicklung (EDSS) sich nach der Menopause grundsätzlich verschlechterten. Teilweise entwickelte sich die Erkrankung bei den Frauen sogar langsamer als in der männlichen Vergleichsgruppe.
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass allgemeine Alterungsprozesse und individuelle Krankheitsverläufe möglicherweise stärker berücksichtigt werden müssen als hormonelle Veränderungen allein. Einzelne Symptome, wie Schlafstörungen oder kognitive Veränderungen, die viele Frauen mit MS während der Wechseljahre erleben, wurden jedoch nicht systematisch erhoben. Die Wechseljahre bleiben demnach weiterhin ein wichtiger Forschungsbereich.
Biologische Auswirkungen von Rauchen auf MS
Gleichzeitig zeigt die aktuelle Forschung, wie komplex die Entstehung und Entwicklung der Erkrankung tatsächlich ist. Auch Umwelt- und Lebensstilfaktoren rücken immer stärker in den Mittelpunkt wissenschaftlicher Untersuchungen. Besonders hervorzuheben ist eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse, die 132 internationale Studien mit insgesamt über 109.000 Menschen mit MS und mehr als 16 Millionen Kontrollpersonen auswertete. Die Analyse bestätigte unter anderem Zusammenhänge zwischen Rauchen, bestimmten Virusinfektionen, wie dem Epstein-Barr-Virus (EBV), sowie Vitamin-D-Mangel und einem erhöhten Risiko für Multiple Sklerose. Rauchen war dabei mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, an MS zu erkranken.
Lange wurde Rauchen dabei vor allem als allgemeiner Gesundheitsrisikofaktor betrachtet. Die Meta-Analyse zeigt, dass Rauchen mit einer fast 50 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit für eine MS-Erkrankung assoziiert wird.
Eine aktuelle kleinere Mikrobiom-Studie beschäftigt sich mit den konkreten biologischen Auswirkungen auf Immun- und Schleimhautsysteme. Von 69 Menschen mit MS und 40 gesunden Kontrollpersonen wurden Proben genommen. Dabei fanden die Forschenden Unterschiede in bestimmten Bakterienarten, die teilweise mit Krankheitsverlauf, Entzündungsprozessen und Tabakkonsum in Zusammenhang gebracht wurden.
Forschung bleibt entscheidend für besseres Verständnis
Die verschiedenen Studien zu hormonellen Veränderungen, Umweltfaktoren und biologischen Mechanismen zeigen insgesamt, dass Multiple Sklerose eine sehr vielschichtige Erkrankung ist, bei der verschiedene Faktoren als Gesamtbild betrachtet werden müssen. Insgesamt besteht weiterhin großer Forschungsbedarf, um die Zusammenhänge besser zu verstehen. Vor diesem Hintergrund wird mit Blick auf den Welt-MS-Tag am 30. Mai einmal mehr deutlich, wie wichtig Forschung, Aufklärung und öffentliche Aufmerksamkeit für Menschen mit Multipler Sklerose bleiben.
Redaktion: DMSG – 28.05.2026
